Der Pechkohle-Bergbau zu Peissenberg

Von den oberbayerischen Pechkohlelagerstätten zwischen Lech und Inn, welche im Erdzeitalter des Alttertiärs, dem Oligozän, vor etwa 30 Mio. Jahren aus organischen Sedimenten unter dem Tethysmeer und unter dem massiven Druck der späteren Verlandung durch von Süden her von Flüssen eingeschwemmtes Abtragungsmaterial von den aufsteigenden Alpen in einem Trog gebildet wurden, liegt eine am Hohen Peissenberg und im südlich vorgelagerten tiefen Taleinschnitt der Ammer.

1540 wurden zu Tage tretende Pechkohlenflöze entdeckt.

1594.Der Augsburger Geschäftsmann Hans Maier und sein Teilhaber Kaspar Heigl aus Tölz erlangten die erste Berechtigung vor und in den Gepürgen auf Stainkoln zu pauen . Mit einem weiteren Teilhaber Georg Stange aus Halle an der Saale und einer von diesem erfundenen Kohlewäsche kam mit Hilfe von Darlehen der Stadt Augsburg der Kohlebergbau in Gang.

1600 konnten bereits ca. 400 t Reinkohle gewonnen werden, von denen knapp die Hälfte auf der alten Salzstraße nach Schongau und von dort per Floß auf dem Lech nach Augsburg verschifft wurden.

1603 In Folge eines Schadenfeuers beim Kalkbrennen in den herzoglichen Wäldern sowie während der Kriegsereignisse des 30-jährigen Krieges (1618-1648), des spanischen Erbfolgekrieges (1705) und der napoleonischen Kriege (1805) erfolgte der erste Niedergang des Peissenberger Pechkohlebergbaus, so daß im 17. und 18. Jahrhundert nur bescheidene Bergbauaktivitäten zu verzeichnen waren.

1607 übernahm der Bauer Christof Lenker, der die Flöze am Hohen Peissenberg entdeckt hatte, den Kohleabbau und erhielt das Lehen auf 25 Jahre.

1795 - 1806 wurde von der mit Beteiligung des Bayerischen Staates gegründeten Oberländischen Steinkohlengewerkschaft der Kohlebergbau Im Brandach am südlichen Abhang des Hohen Peissenbergs (Tobiasstollen) aufgenommen. Gefördert wurden 1799 7239 Zentner.

1837, am 8.Mai, wurde auf dem Brandachfeld in Hohenpeissenberg durch einen königlichen Steiger und vier Knappen der Hauptstollen angeschlagen. Bei 119 Lachter stieß man im Hauptstollen auf ein Flöz von 2 Lachtern Mächtigkeit.

1840. Mit der Eröffnung des Hauptstollens am Hohen Peissenberg begann der staatliche industrielle Pechkohlenbergbau mit einer planmäßigen Kohleförderung.

1842 bezogen die Augsburger Mechanischen Spinnereien jährlich allein ca. 750 t Kohle.

1846 wurden bereits 3000 t Kohle mit einer Belegschaft von 50 Mann gefördert.

1866 wurden die Bahnlinie Tutzing-Weilheim-Peissenberg eröffnet und 1873 - 1875 als Werkbahn bis zum Bergwerk verlängert.

1869 verlagerte sich der Schwerpunkt des Kohlebergbaus nach Unterpeissenberg. Mit dem Tiefstollen in Peissenberg wurde ein Kohlevorrat von 1,5,Mio t erschlossen und der Schwerpunkt des Kohlebergbaus auf die Ostseite des Peissenbergs verlagert.

1875 siedelte die Grubenverwaltung von Hohenpeissenberg nach Peissenberg um.

1889 begann das Abteufen der Unterbauschächte in Hohenpeissenberg. Mit einer 3,6 km langen Drahtseilbahn wurde das Fördergut der Aufbereitung am Tiefstollen zugeführt.

1905 und 1907 wurde die Kohlenwäsche am Tiefstollen errichtet. Sie ermöglichte die Herstellung reinerer und hochwertigerer Kohle und begründete den guten Ruf der Peissenberger Kohle.

1912, am 27. März, wurde mit dem Abteufen des Hauptschachts begonnen. Dieser wurde 1954 nach dem hochverdienten Bergwerksdirektor Zieglmeier benannt.

1919 , am 13. und 15. Dezember, ereigneten sich im Bergwerk schwere Kohlenstaubexplosionen , wodurch 15 Bergleute tödlich verunglückten.

1927 die staatlichen Berg-, Hütten- und Salzwerke werden in eine Aktiengesellschaft mit der Bezeichnung Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG umgewandelt. Peissenberg hatte damit den Sitz eines Bergamtes verloren.

1928 wurde die Förderung am Unterbauschacht eingestellt. Der Unterbauschacht wurde noch bis 1946 als Wetterschacht genutzt

1931 wurde die Brikettfabrikation begonnen.

1945 , im Mai, wurde das Kohlenbergwerk Peissenberg von den amerikanischen Besatzungsstreitkräften besetzt und die Kohleförderung für ca. 3 ½ Tage eingestellt.

1969 , am 13. November, fasste der Aufsichtsrat der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke (BHS) den Beschluß , das Bergwerk stillzulegen.

1971, am 31.März, wurde trotz einer europäischen Spitzen-Förderleistung von 5,3 t / Schicht und Mann das zuletzt noch aufwendig modernisierte Kohlebergwerk Peissenberg nach rund 40 Mio. t Kohleförderung während 134 Jahren industriell betriebenem Kohlebergbau als letzte der sieben oberbayerischen Kohlegruben Miesbach, Hausham, Marienstein, Penzberg, Peiting, Hohenpeissenberg und Peissenberg endgültig geschlossen.

Die Belegschaft des Bergwerks zählte nach dem Zweiten Weltkrieg, im Januar 1949, 3352 Mann, im Januar 1967, 2410 Mann, im November 1969 noch 1820 Mann und im Januar 1970 nur noch 979 Mann.

Für die insgesamt noch 979 Beschäftigten, davon 505 unter Tage, setzte eine Neuorientierung der zumeist in Peissenberg und Umgebung aufgewachsenen Bergleute ein, anders, als in anderen Revieren, wo die neueren Industrien, wie Chemie-, Kunststoff-, Elektronik- und Metallindustrie schon in den 60-er Jahren einen Großteil der arbeitslos gewordenen Bergleute weiter beschäftigen konnten und mancherorts das Los des niedergegangenen Bergbaus schneller in Vergessenheit geriet.

Die Tradition des Bergbaus wurde schon während der aktiven Bergbauphase seit über 150 Jahren ganz besonders gepflegt. Zu den Bergfesten und anderen festlichen sowie musikalischen Anlässen der Marktgemeinde Peissenberg, der Bergbauorte Hohenpeissenberg und Peiting, durften bei Feiern und Umzügen die Schwarzen Kittel der Bergmannstracht niemals fehlen, um Ansehen und Hochachtung des Berufsstandes der Bergleute zu repräsentieren.

1978 , am 25. November, wurde – sieben Jahre nach Schliessung der Grube - aufgrund des ungeschmälerten Interesses an der Geschichte des Peissenberger Pechkohlebergbaus und nachdem unter den ortsverbundenen ehemaligen Knappen, von denen ein großer Teil durch neu angesiedelte Betriebe in den Bereichen der Metallverarbeitung, Feinmechanik, Feinoptik und Elektronik wieder integriert, damit am Ort verbleiben und in der oberbayerischen Heimat wieder ihrem Broterwerb nachgehen konnte, zu den schon bestehenden Musikkapellen Knappschaftskapelle Peissenberg, Bergfanfaren Peissenberg und Bergknappen-Spielmanns-Fanfarenzug Peissenberg der Verein der Bergbaumuseumsfreunde Peissenberg e.V. gegründet.

1988 , am 2.Juli, wurde das Bergbaumuseum Peissenberg eröffnet.

1989 , am 22. November, wurde der Peissenberger Knappenverein e.V. mit einer rasch zunehmenden Mitgliederzahl und entsprechenden, die bergmännischen Traditionen pflegenden Aktivitäten, inspiriert durch einen sehr aktiven Vorstand um den ersten Vorsitzenden des Vereins, Bergingenieur Franz Fischer, gegründet.

Literatur:

Max Biller, Ludwig Stippel Bergbau und Bergbau-Museum am Hohen Peißenberg
EOS-Verlag , St..Ottilien 1987